Guttenberg tritt zurück

City- & Szenenews

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Alexander Hauk / pixelio.de
01.03.2011

"Verantwortung verpflichtet": So lautet der Leitspruch Guttenbergs. Gemäß diesem zog der Verteidigungsminister die Konsequenzen für sein Handeln. Der Spion möchte wissen: Begrüßt ihr den Rücktritt?

Dass die Plagiatsvorwürfe gegen Karl-Theodor zu Guttenberg schwerwiegende Folgen nach sich ziehen würden, stand außer Frage. Die gravierendste aller Folgen jedoch führte Guttenberg am Dienstag in Berlin selbst herbei, indem er vom Amt des Verteidigungsministers zurücktrat - "der schmerzlichste Schritt" seines Lebens.

Doch der 40-jährige betont, dass ebendiese Vorwürfe nicht der einzige Grund für seine Entscheidung sind. "Ich gehe nicht alleine wegen meiner fehlerhaften Doktor-
arbeit", erklärt Guttenberg in seiner Rücktrittserklärung auf seiner Homepage. "Der Grund liegt im Besonderen in der Frage, ob ich den höchsten Ansprüchen, die ich selbst an meine Verantwortung anlege, noch nachkommen kann." Diese Verant-
wortung, die er trägt, sei schließlich hoch, verlange "ungeteilte Konzentration und fehlerfreie Arbeit" - insbesondere hinsichtlich der "größten Bundeswehrreform in ihrer Geschichte, die ich angestoßen habe und mit Blick auf eine gestärkte Bundes-
wehr mit großartigen Truppen im Einsatz, die mir engstens ans Herz gewachsen sind." Diese Verantwortung verlangt es nun, zu handeln, wie er es selbst von ander-
en verlangt habe und verlangt hätte. "Ich habe, wie jeder andere auch, zu meinen Schwächen und Fehlern zu stehen." Der gebürtige Münchener ergänzt: "Deswegen habe ich mich aufrichtig bei all jenen entschuldigt, die ich aufgrund meiner Fehler und Versäumnisse verletzt habe und wiederhole dies auch ausdrücklich heute."

Im Zuge dessen äußert er auch seinen tiefen Respekt vor jenen, die auf eine strafrechtliche Prüfung der Vorgänge rund um seine Doktorarbeit pochen. Vielmehr noch: Ihm selbst sei es, nachdem er bereits um die Rücknahme seines Doktortitels gebeten hatte, nach wie vor ein "aufrichtiges Anliegen", an der Aufarbeitung mitzuwirken. "Es würde daher nach meiner Überzeugung im öffentlichen wie in meinem eigenen Interesse liegen, wenn auch die staatsanwaltlichen Ermittlungen etwa bezüglich urheberrechtlicher Fragen nach Aufhebung der parlamentarischen Immunität - sollte dies noch erforderlich sein - zeitnah geführt werden können."

"Ich kann das nicht verantworten"

Bedeutender sei, dass vor dem Hintergrund der Plagiatsvorwürfe der Tod und die Verwundung der Soldaten in Afghanistan in Vergessenheit gerieten; eine Verschieb-
ung, die er nicht zu verantworten vermag. "Wenn es auf dem Rücken der Soldaten nur noch um meine Person gehen soll, dann kann ich das nicht verantworten."

Fragen, warum er sich trotzdessen 'erst jetzt' dafür entschied, die Konsequenzen für sein Handeln zu tragen, geht Guttenberg entgegen: Es sei eine "Frage des Anstandes" gewesen, "zunächst die drei gefallenen Soldaten mit Würde zu Grabe zu tragen und nicht erneut ihr Gedenken durch Debatten über meine Person überlagern zu lassen." Mehr noch: "Niemand wird leicht, geschweige denn leichtfertig das Amt aufgeben wollen, an dem das ganze Herzblut hängt." Auch der Bundeswehrreform habe noch eine gewisse Zeit gebührt, sodass diese von Guttenbergs Nachfolger "bestens vorbereitet verabschiedet werden kann. Das Konzept der Reform steht."

Dank und Trauer statt Mitleid und Respekt

Weder Mitleid, noch Respekt erwartet Guttenberg gegenüber seiner Entscheidung. "Wer sich für die Politik entscheidet, darf - wenn dem so ist - kein Mitleid erwarten. Das würde ich auch nicht in Anspruch nehmen. Ich darf auch nicht den 'Respekt' erwarten, mit dem Rücktrittsentscheidungen so häufig entgegengenommen werden." Dass er der Aufgabe des Verteidigungsministers schließlich nicht gewachsen war, "mag sein oder nicht sein. Wenn ich es aber nur wäre, indem ich meinen Charakter veränderte, dann müsste ich gerade deswegen handeln."

Handeln in Form eines Rücktritts, über den Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zuvor informiert war. In einem "sehr freundlichen Gespräch" habe er diese um seine Entlassung gebeten, heißt es in der Rücktrittserklärung. Ihr sprach der Politiker besonderen Dank für ihre Unterstützung, ihr Vertrauen sowie ihr Verständnis aus. Überdies galt sein tiefer Dank "der großen Mehrheit der Deutschen Bevölkerung, den vielen Mitgliedern der Union, meinem Parteivorsitzenden und insbesondere den Soldatinnen und Soldaten, die mir bis heute den Rücken stärkten, als Bundesminister der Verteidigung nicht zurück zu treten." Der Schmerz, der diese Entscheidung für Guttenberg birgt, wird deutlich in seinem letzten Satz: "Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenze meiner Kräfte erreicht."

"Er war ein hervorragender Verteidigungsminister!"

Die Reaktionen auf den Rücktritt Guttenbergs zeugen vorrangig von Betroffenheit. Bundeskanzlerin Merkel zeigt sich "betrübt" über die Entscheidung; ihr bliebe, das berichtet der Stern, nichts anderes übrig, als ihm "von ganzem Herzen zu danken". Das Gesuch habe sie "mit schwerem Herzen" angenommen; darüber hinaus hoffe sie auf eine Gelegenheit, zukünftig wieder zusammenarbeiten zu können.

Wie nachrichten.at berichtet, erfuhr CSU-Chef Horst Seehofer während einer Sitzung des bayerischen Kabinetts von der Entscheidung, die er schließlich überrascht - und betroffen - verkündete. "Wir haben es im Kabinett erfahren und waren alle geschockt. Ich bedauere das sehr. Er war ein hervorragender Verteidigungsminister", sagt diesbezüglich der bayerische Umweltminister Markus Söder. Betroffenheit herrsche auch beim CSU-Landtagsfraktionsvize Karl Freller, der überzeugt ist, dass kein anderer die Bundeswehrreform so umsetzen könne wie Guttenberg. "Wo man ihn am dringendsten bräuchte, geht er." Nichtsdestotrotz hat Freller Verständnis für diesen Schritt. "Die Hetzjagd wurde übermächtig."

Kritik äußert dem Stern zufolge SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, der auf die Frage, ob Guttenberg in die Politik zurückkehren könne, eine nüchterne Antwort hat: "Wenn er auf die gehört hätte, die ihm vor vierzehn Tagen empfohlen haben, jetzt einen Weg zu wählen, der ihm nach den Wahlen 2013 einen Wiedereinstieg in die große Politik ermöglicht, dann Ja. Jetzt, nachdem er seine eigenen Reden über Ehre und Anstand jeden Tag Lügen gestraft hat, kann ich mir das nicht vorstellen." Kritik gilt dahingehend auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich hinter Guttenberg gestellt habe, als seien die Plagiatsvorwürfe "Kleinigkeiten".

Die Diskussion um den möglichen Nachfolger Guttenbergs ist bereits in vollem Gange; eine große Kabinettsumbildung sei dem Focus zufolge jedoch unwahrscheinlich. Überhaupt sei nun, in den Augen der FDP, ausschließlich die Union aufgefordert, einen Vorschlag für einen Nachfolger zu unterbreiten.

Und was meint ihr?

Die Meinungen über den Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenbergs gehen weit auseinander. Manche schätzten ihn als herausragenden Politiker, manche betrachten die Unehrlichkeit hinsichtlich der Doktorarbeit als unverzeihlich.

Der Spion möchte wissen: Wie denkt ihr über den Rücktritt? War es nur eine Frage der Zeit, bis Guttenberg tat, was er tun musste? Sagt es uns in euren Kommentaren.

(nm)
192
Kommentare insgesamt

Sebastian O.
01.03.2011 15:42
reg. Mitglied
Das wurde ja auch mal Zeit. Dieser Schmieige Lappen.

ElAsso83
01.03.2011 15:47
Gast
Dass viele Politiker Dreck am Stecken haben ist ja bereits eine Grundannahme in der Bevölkerung. Aber wenn jemand dermaßen offensichtlich des Betrugs überführt wird, und dann noch die Arroganz und Dreistigkeit besitzt, eine bewusste Täuschung abzustreiten, so jemand verdient all die Schelte und den Hohn.

Guttenberg hat nicht nur der Wissenschaft geschadet, sondern mit seiner ständigen Heuchelei vor allem das letzte Fünkchen Glaubwürdigkeit unserer aktuellen Regierung verspielt und das Amt des Verteidigungsministers besudelt. Wenn er jetzt noch in seiner Abschiedsrede die Soldaten vorschiebt ist das Maß entgültig voll.

Diese Affäre hat auf jeden Fall gezeigt, dass das Internet und mündige Bürger selbst den Springer-Verlag und Parteitaktiken besiegen können. Guttenberg konnte diesen Skandal jedenfalls nicht wie viele vor ihm aussitzen. Die Vergehen und Heucheleien des arroganten und machthungrigen Guttenberg standen jederzeit transparent und nachvollziehbar im Netz zur Verfügung.

Ich hoffe jedenfalls, dass in Zukunft wieder vermehrt investigativer Journalismus betrieben wird, um unsere Politiker wieder in die Spur zu kriegen. Lobbyismus und Vetternwirtschaft haben in den letzten Jahrzehnten Überhand genommen, aber durch das Internet steht uns ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen diese Entwicklungen zur Verfügung.

Frank F.
01.03.2011 15:50
Gast
die rot-grünen haben es geschafft mit unlauteren mitteln einen potenziellen kandidaten fürs kanzleramt zu beseitigen, dass war ihr ziel und nichts anderes. denn selber haben sie keinen so beliebten und fähigen politiker in ihren eigenen reihen! schmierentheater wie es eigentlich hollywood schreien müßte.....

ElAsso83
01.03.2011 15:56
Gast
Natürlich hatte die Opposition ein Interesse daran Guttenberg auszuschlaten. Aber wo hat sie bitte dies mit unlauteren Mitteln getan? Dass hat sich der Freiherr schon selbst anzukreiden, dass er erst beschissen und es dann sogar noch ewig geleugnet hat. Da war nichts zu sehen von Anstand und Glaubwürdigkeit.

Wie gesagt, ich hoffe, dass zukünftig den Politikern aller Parteien vermehrt auf die Finger geguckt wird. Nur so lassen sich Machtmissbrauch und Korruption eindämmen.

Frank F.
01.03.2011 16:08
Gast
ja was glaubt ihr leute denn was für dreck die anderen damen und herren mit sich herum tragen. herr schröder verschafft sich seinen millionenjob während der kanzlerschaft und noch dazu mal eben zwei kinder, wo andere jahre benötigen. herr schlauch von den grünen reist auf kosten des staates nach übersee und besucht seinen verwandten und und und. sind diese gestalten zurückgetreten? und was ist mit den ganzen aufsichtsratspoten der politiker bei stromkonzernen usw.? wie die sich wohl verhalten wenns um fragen in der energiepolitk geht....schlimm das man die arbeit von herrn guttenberg so in den dreck zieht. und dann kommt da der dicke gabriel und labert etwas von der bundeswehrreform die man nun nach hinten schieben muss. der hat soviel ahnung davon wie der papst vom......

Nun J.
01.03.2011 16:19
Gast
Herr von und zu Guttenberg hat sich selbst ins Aus manöveriert..

Schon damals als er die Doktorarbeit verfasste.. Ich denke doch, daß ihm das klar sein musste.

Da V.
01.03.2011 16:21
Gast

Professor A.
01.03.2011 16:36
Gast
Auch wenn er sehr beliebt ist und sehr gute Entscheidungen in seinem Amt gefällt hat, sage ich - richtig so.

Er hat nunmal Dreck am Stecken gehabt und es war klar, dass er zurücktreten wird - sonst könnte ja jeder seinen Titel fälschen und dann im Namen des Volkes sprechen.

Jörg H.
01.03.2011 16:40
Gast
Ich begrüße den Rücktritt von Herrn zu Guttenberg nicht, ganz im Gegenteil ich bin der Meinung, er sollte sein Amt als Minister der Verteidigunng weiter ausführen und sich der Wahl zum Bundeskanzler stellen! Vielleicht ändert sich dann mal etwas in diesem Staat.

Die Plagiatsvorwürfe gegen Karl-Theodor zu Guttenberg sind dass geringste Übel in dieser Gesellschaft, dass es Betrug ist, möchte ich gar nicht bestreiten, wenigstens hat er damit nicht dem deutschen Volk geschadet, wie manch anderer Politiker. Nehmen wir zu dieser These mal den ehemaligen Vizekanzler und Aussenminister Joschka Fischer (Bündnis 90 / Grüne), der Mitglied einer linksradikalen und militanten Gruppe (Revolutionärer Kampf) war.

Die Vorwürfe gegen den Herren Fischer finde ich persönlich als schwerwiegender als die Plagiatsvorwürfe gegen Herren zu Guttenberg!

Küchenchef
01.03.2011 17:02
Gast
Scheiß politiker, kümmern sich um irgendwelche dinge, aber anstatt sich mit politischen Dingen zu beschäftigen!
Das er was er gemacht hat, ja ok, aber dieses scheiße.... L...,es beschäftigt sich mit dingen, scheiß auf son doktortitel, im Ausland sterben soldate,der welt gehts dreckig, aber im fernseh gibts nur ein Thema,24 h lang, jede talkshow, aber es sterben Soldaten, wo nur ein bericht von nicht mal 2 min läuft. .....!!
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