"Stresstests", "Gutmenschen" und "Döner-Morde"

City- & Szenenews

City- & Szenenews
© olly
17.01.2012

Jahrelang sei die politische Dimension der Mordserie der Zwickauer Terrorzelle verkannt oder bewusst ignoriert worden: Das Unwort des Jahres 2011 lautet "Döner-Morde".

"Alternativlos", das Unwort des Jahres 2010, hat einen Nachfolger. Das Unwort des Jahres 2011: "Döner-Morde". Ein Begriff, der dafür stehe, dass die politische Dimension der Mordserie der Zwickauer Terror-Zelle jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert worden sei, wie die Jury die Wahl laut dem Focus erläuterte.

Insgesamt sechs Mitglieder - vier Sprachwissenschaftler, ein Journalist sowie ein jährlich wechselndes Mitglied aus dem öffentlichen Kultur- und Medienbetrieb -, wählten den Begriff am Dienstag in Darmstadt. "Damit wurden von Polizei und Medien die von einer neonazistischen Terrorgruppe verübten Morde an zehn Menschen bezeichnet", sagte der Zeit zufolge die Sprecherin der Jury, Sprachwissenschaftlerin Nina Janich, über das Wort "Döner-Morde".

Ein Begriff, der die Wahrnehmung vieler Menschen jahrelang beeinflusst habe. Insgesamt zehn Morde an Einwanderern sowie an einer Polizistin werden der Zwickauer Neonazi-Zelle vorgeworfen. Im letzten Jahr wurde schließlich der rechtsextremistische Hintergrund zutage gefördert, nachdem zwei Täter nach einem Banküberfall in Eisenach tot aufgefunden worden waren - bei diesen fand man jene Pistole, mit welcher die Morde begangen wurden. "Mit der sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung einer rechtsterroristischen Mordserie werden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und die Opfer selbst in höchstem Maße diskriminiert, indem sie aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert werden", erklärte die Jury dahingehend die Wahl des Unwortes. Mit der Bezeichnung "Döner-Morde" sei die Vermutung, die Motive hätten mit Schutzgeld- oder Drogengeschäften zu tun, gestützt worden.

Kritik am "Gutmensch"

269 Mal sei der Begriff eingereicht worden - und lag somit an der Spitze. Darüber hinaus kritisierte die Jury die Formulierung "Gutmensch", mit welcher vorrangig im Internet das ethische Ideal des "guten Menschen" in hämischer Weise aufgegriffen werde, sowie die Bezeichnung "marktkonforme Demokratie", welche Bundeskanz-
lerin Angela Merkel benutzt und damit eine "höchst unzulässige Relativierung" betrieben habe. Das "Wort des Jahres 2011" wurde demgegenüber "Stresstest".

(nm)
weitere Nachrichten aus der Kategorie „City- & Szenenews“:
Immer noch keinen Partner gefunden? Am 01. November veranstaltet das Singleportal MV-Spion.de zusammen mit der Firma BM Event das größte Flirt- und Singleevent "La Boum" in Rostock. Dafür wird die Allround Arena Rostock in eine gigantische Single Arena umgewandelt. » mehr lesen
Diskriminierung oder lediglich polizeiliche Erfahrung? Weil ihn ein Bundespolizist aufgrund seiner Hautfarbe kontrollierte, erstattete ein dunkelhäutiger Deutscher Anzeige - und verlor. » mehr lesen
In Großbritannien steigt der Absatz erotischer E-Books. Auch in Deutschland könnte das unerkannte Konsumieren erotisch-brisanter Geschichten Schule machen. » mehr lesen