Die Linke in Rostock: Abschied von Lafontaine

City- & Szenenews

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© Artur Tiutenko
14.05.2010

Wer an die Linke denkt, denkt zuerst an Oskar Lafontaine. Doch damit ist bald Schluss: Das Gesicht der Linkspartei verabschiedet sich heute in Rostock als Parteichef. Wie geht es jetzt, auf dem Gipfel des Erfolges, für die Linken weiter?

Der Parteitag der Linken, der ab heute in Rostock abgehalten wird, wird vermutlich in die Geschichte der Linken eingehen: Die Ära Lafontaine geht zu Ende.

Dabei ist der Zeitpunkt für den Parteitag ganz bewusst gewählt: Am 9. Mai trugen sich die Nordrhein-Westfalen-Wahlen zu, die mit einem Ergebnis von 5,6 % absolut positiv für die Linken ausgingen. Zwar ist das kein Garant dafür, dass die Linke mitregieren wird - allerdings ist es ein Garant dafür, dass die Partei im Westen angekommen ist. Und das ohne ihre Lichtgestalt. Umso besser, sich erst nach diesem Erfolgserlebnis zum Parteitag zu treffen, wie ein Linker der Tagesschau erklärt: "Würden wir uns vorher treffen und zerfleischen, wäre das dumm."

Von 16 Landesparlamenten hat die Linke nun 13 inne - der bisherige Höhepunkt der verhältnismäßig noch jungen Partei. Und ausgerechnet jetzt verabschiedet sich deren Gesicht Oskar Lafontaine, der aufgrund seiner Krebserkrankung nicht mehr antreten will; ebenso wenig wie der Vizevorsitzende Lother Bisky. Bedeutend tiefe, personelle Einschnitte, deren Folgen noch nicht absehbar sind.

Neuanfang mit Lötzsch und Ernst

Absehbar ist nur, dass die Linke in Zukunft von zwei Personen geführt wird, und zwar darunter mindestens von einer Frau - das wurde bereits per Mitgliederentscheid beschlossen. Und auch die Wahl der vorgeschlagenen Nachfolger ist mehr als wahrscheinlich: Gesine Lötzsch und Klaus Ernst.

Das Duo Lötzsch und Ernst scheint die perfekte Kombination darzustellen: Ein weiblicher, ostdeutscher und ein männlicher, westdeutscher Part; von dem großen politischen Erfahrungsschatz beider ganz zu schweigen.

Lötzsch sitzt seit 2002 im Bundestag, ist haushaltspolitische Sprecherin, Mitglied im Verteidigungsausschuss und Obfrau im Haushaltsausschuss. Doch die Rose hat Dornen: Der Vorwurf, ihr Ehemann sei inoffizieller Mitarbeiter der Stasi gewesen, hallt nach wie vor im Raum.

Ernst ist seit 2005 im Bundestag und derzeit der stellvertretende Parteivorsitzende, dessen Vergangenheit sich in der Gewerkschaft und bei der SPD abgespielt hatte - und in Bayern, wo es ihm nicht gelang, seinen zerstrittenen Landesverband wieder zusammenzubringen. Nichtsdestotrotz setzt man vollstes Vertrauen in die zwei Kandidaten: "Die beiden werden das schon machen", glaubt eines der Parteimitglieder.

"Dann wollen alle nach Hause"

Doch Lafontaine und Bisky verabschieden sich nicht, ohne eine bleibende Spur zu hinterlassen - und stellten stattdessen noch einen ersten Programmentwurf fertig. Dieser enthält deutliche Forderungen nach einem "Systemwechsel", zu dem ein Generalstreik gehört, der zukünftig als grundsätzliches "Kampfmittel der Beschäftigten" einhergehen soll. In Rostock wird noch heute darüber diskutiert - entschieden wird allerdings erst voraussichtlich Ende 2011. Ein führendes Parteimitglied: "Wir werden diskutieren, wahrscheinlich auch ziemlich heftig. Aber am Sonntagnachmittag ist Schluss, jede Wette: Dann wollen alle nach Hause."

Nach Hause - für Lafontaine die letzte Heimfahrt von seiner Arbeit als Parteichef. Doch ganz in der Versenkung verschwinden wird der Politiker nicht: In Zukunft bleibt er als Fraktionschef der saarländischen Linkspartei tätig.

(nm)
4
Kommentare insgesamt

Der P.
14.05.2010 17:21
Gast
Eine Lichtgestalt der deutschen Politik sagt: "Goodbye"!
Schade, dass Oskar Lafontaine abtritt, denn seine Vorstellungen zur Regulierung der Finanzmärkte sowie die meisten anderen Sichtweisen von ihm, was die deutsche Politik betrifft, sind in meinen Augen sehr gut gewesen.
Ein Jammer, dass er 2013 nicht ins Bundeskabinett kommt, wenn nämlich Rot-Rot-Grün die Macht übernimmt.

Stephan M.
15.05.2010 01:55
Gast
laffe war schon einer der garanten der deutschen politik... rhetorisch sehr begabt und respekt genoss er wirklich über die parteigrenzen hinaus.

werd morgen als gast zu bundesparteitag gehen und seine letzte rede auf einem parteitag anhören ma schaun was er sich diesmal für seitenhiebe zur machthabenden politik einfallen lassen hat *smile

Skip !.
15.05.2010 16:00
Gast
Oskar tritt von allein zurück ? Respekt - Normalerweise werden die Genossen doch erst tot aus dem Politbüro getragen

Aber von seinem 20.000 qm Grundstück mit Villa läßt es sich sicher noch vortrefflicher auf die soziale Ungerechtigkeit schimpfen.

Der kleine Pinscher ist genauso verlogen, wie die katholische Trachtengruppe.

Was bleibt zu wünschen:

Gute Reise

Nicklass
16.05.2010 13:02
Gast
Gute Besserung
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